Ostseekooperation

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Inhalt

1. Schleswig-Holstein im Ostseeraum

1.1 Lage, Fläche und Bevölkerung
1.2 Wirtschaftsstruktur
1.4 Geopolitische Überlegungen
1.5 Politische Entwicklungen
1.6 Die ökonomisch Bedeutung des Ostseeraums für Schleswig-Holstein

2. Estland

2.1 Allgemeines: Estland - Ein baltischer Staat stellt sich vor
2.2 Wirtschaftsstruktur
2.3 Außenwirtschaftsbeziehung
2.4 Ausländische Investitionen
2.5 Finanzpolitik
2.6 Arbeitsmarkt
2.7 Bewertung des Wirtschaftsstandorts Estland
2.8 Fazit

3. Die Bedeutung des Ostseeraumes für Skandinavien am Beispiel Dänemarks und Schwedens mit besonderer Berücksichtigung der Öresund-Region

3.1 Dänemark
3.2 Schweden
3.3 Die Öresund-Region


1. Schleswig-Holstein im Ostseeraum

Die folgende Ausarbeitung soll über die Bedeutung des Osteeraums für die wirtschaftliche Entwicklung Schleswig-Holsteins aufklären und die Stellung S.-H.'s im Ostseeraum verdeutlichen. Zum besseren Verständnis der wirtschafts-theoretischen AusführWigen und Prognosen und zur leichteren Größeneinordnung der Tabellenwerte wird zum Beginn der Dokumentation ein wirtschaftliches Profil von Schleswig-Holstein erstellt und es werden die geopolitischen sowie politischen ("Ostseekooperation") Neuerungen und Errungenschaften im Ostseeraum kurz dargestellt. In dem Abschnitt, welcher sich mit der wirtschaftlichen Bedeutung des Ostseeraumes für S.-H.. beschäftigt, erfolgt eine inhaltliche Konzentration auf die Schleswig-Holstein betreffenden Handelsbeziehungen und Transportrouten. Die investive Tätigkeit schleswig-holsteinischer Unternehmen in der Ostseeregion wird in der Ausarbeitung am Ende charakterisiert.

1.1 Lage, Fläche und Bevölkerung

Schleswig-Holstein grenzt im Norden an Dänemark, im Süden an die beiden Länder Freie-und Hansestadt Hamburg und Niedersachsen und im Südosten an das Land Mecklenburg-Vorpommern. Im Westen bildet die Nordsee und im Osten die Ostsee eitle natürliche Grenze. Schleswig-Holsteins Bodenfläche beträgt 15.771 qkm und die Einwohnerzahl 2,76 Millionen. Die beiden größten Städte sind die Landeshauptstadt Kiel mit 240.516 Einwohnern und die Hansestadt Lübeck mit 215.376 Einwohnern. S.-H gehört somit zu den kleineren Bundesländern. Die Größe S. -H. ist jedoch ist in Bezug auf den Ostseeraum nicht zu unterschätzen. S.-H. hat z.B. mehr Einwohner als die Republik Estland (1.46 Millionen Einw.)

1.2 Wirtschaftsstruktur

Die Wirtschaftsstruktur Schleswig-Holsteins hat sich seit der Nachkriegszeit grundlegend verändert. S.-H. konnte sich aus der Abhängigkeit von traditionellen Industrien, besonders Werftindustrie lösen. An Stelle der vorhandenen Monostruktur entstand eine vorwiegend mittelständisch strukturierte Industrie mit Schwerpunkten in den Bereichen Nahrung und Genußmittel, Maschinenbau sowie Elektrotechnik, EDV und Medizintechnik. Die Struktur ist besonders ausgewogen und somit weniger anfällig gegenüber strukturellen Krisen sowie Konjunkturschwächen einzelner Branchen. Weitere Merkmale der Wirtschaftsstruktur sind ein Überdurchschnittlich großer Dienstleistungsbereich und ein bedeutender Tourismussektor. Allgemein läßt sich sagen, daß Schleswig-Holstein und die Übrigen norddeutschen Wirtschaftsräume von zwei Grundtendenzen geprägt werden: Von der Tertiärisierung sowie von der Suburbanisierung und der räumlichen Dezentralisierung von Bevölkerung und Arbeitsplätzen. Der strukturelle Wandel kommt besonders zum Ausdruck wenn man die Entwicklung der Anteile der Wirtschaftsbereiche an der Bruttowertschöpfung betrachtet. Einer deutlichen Zunahme der Wertschöpfungsanteile der privaten Dienstleistungsuntemehmens und des Bereichs Handel und Verkehr steht eine rückläufige Entwicklung in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, aber auch beim produzierenden Gewerbe und in den Sektoren Staat und private Haushalte gegenüber.(siehe Graphik 1)
(Quelle:Land S.-H., Wirtschaftsstandort im Ostseeraum)

 
[ Graphik 1 ]

1.4 Geopolitische Überlegungen

Die deutsche Wiedervereinigung, die Zusammenführung der Wirtschaftsräume EG und EFTA im europäischen Markt, die Gründung der Europäischen Union und ihre Erweiterung insbesondere um Finnland, und Schweden, sowie die Reformprozesse in Mittel- und Osteuropa haben für S.-H. neue Rahmenbedingungen gesetzt. Die neu entstandene Situation ermöglicht politische, wirtschaftliche, und kulturelle Verbindungen mit Ländern im gesamten Ostseeraum aufzunehmen. S.-H. hat aufgrund seiner exponierten geographischen Lage die Chance eine wichtige "Drehscheibe" im nördlichen Europa zu werden. Diese Chance kann jedoch nur wahrgenommen werden wenn die bestehenden Kooperationen im Ostseeraum ausgebaut werden und neue, insbesondere mit Rußland und den östlichen Anrainerstaaten, geschaffen werden Stabile politische und wirtschaftliche Verbindungen können helfen die marktwirtschaftliche und demokratische Transformation in Mittel und Osteuropa zu beschleunigen und die Osterweiterung der EU voranzutreiben. außerdem kann insbesondere die wirtschaftliche Zusammenarbeit behilflich sein die großen soziale Unterschiede zwischen der WBSR (West Baltic Sea Region) und der EBSR (East Baltic Sea Region) abzubauen, Eine friedliche Entwicklung in diesen Bereichen ist die Grundlage eine nachhaltige Entwicklung im Ostseeraum und für die Erschließung eines Marktes mit über 80 Millionen Menschen.

1.5 Politische Entwicklungen

Die Kooperation der Ostseeländer verläuft in verschiedenen Gremien auf verschiedener staatlicher Ebene. Diese sind:

  • der Ostseerat der Außenminister (CBSS)
  • die Konferenz der Fachminister
  • die Ostseeparlanientarierkonferenz
  • die Konferenz der Subregionen,(BSSSC).

Außerdem existieren noch zahlreiche NGO's die sich zur Aufgabe gemacht haben die Zusammenarbeit in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, wie Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur zu fördern. Schleswig -Holstein hat in der Ostseepolitik stets seine Vorreiterstellung eingenommen, So kamen viele Initiativen zur Zusammenarbeit aus diesem Land. Zum Beispiel war der erste Vorsitzende der BSSSC, welche aufgrund ihrer direkten Form der Zusammenarbeit von Subregionen sehr wichtig ist für die Kooperation im Ostseeraum, der schleswig-holsteinische Minister für Justiz-, Bundes-, und Europaangelegenheiten Gerd Walter. Diese politische und gesellschaftliche Kooperation ist bei der wirtschaftlichen Betrachtung des Ostseeraumes von großer Bedeutung Denn sie dient der Wirtschaft zur Kontaktaufnahme mit zukünftigen Handelspartnem aus den anderen Ostseeländern. Somit ist aktive Ostseepolitik auch Standortpolitik für S.-H.. Schleswig -Holstein unterhält Partnerschaften zu zahlreichen Regionen im Ostseeraum ("Netz der Partnerschaften") . 1995 eröffnete S. -H. Repräsentanzen im Ostseeraum diese bieten Zusammen mit den Büros der schleswig-holsteinischen Handelskammern sowie derer von NGO's Anlaufstellen für schleswig-holsteinische Unternehmen die im Ostseeraum aktiv sind, bzw. werden möchten. Diese direkten Vertretungen Vorort sind insbesondere für die mittelständisch. geprägte Industrie S.-H.'s wichtig, deren Hinderungsgrund oftmals logistische und informative Probleme sind, Neben der Informations und Beratungsfunktion erfüllen die Büros natürlich auch noch Repräsentationsaufgaben, informieren ausländische Unternehmen über die Wirtschaft Schleswig-Holsteins sowie Ober den Wirtschaftsstandort S.-H.. Sie erfüllen die Theorien der Politik mit Leben und Verbessern die staatliche Zusammenarbeit. Die Präsenz Schleswig-Holsteins in den Ostseeländem ist somit auch von zentraler Bedeutung für die schIeswig-holsteinische Wirtschaft.

1.6 Die ökonomisch Bedeutung des Ostseeraums für Schleswig-Holstein

1.6.1 Die verkehrspolitische Situation und Außenhandelsverflechtungen der Länder

Durch die maßgeblichen politischen Veränderungen in der Ostseeregion hat sich auch die wirtschaftgeographische Lage S.-H.'s fundamental verändert.

Das Land ist aus seiner peripheren Lage ins Zentrum gerückt und bildet nun den südwestlichen Eckstein einer nordeuropäischen Wirtschaftsregion rund um die Ostsee. Der Ostseeraum gilt als eine Region mit enormen Wachstumspotential. Es ist ein Markt von mehr als 80 Millionen Einwohnern entstanden. Die Ostsee verbindet die Länder mit den unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen. sie ist im Begriff zu einem freien europäischen Binnenmeer zu werden. Die Gründe für die günstige Ausgangslage in der Region sind vielfältiger Natur. Einer von ihnen ist auch die unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen in den Ostseeländern zu suchen. So können z.B.: Firmen, wie die Mobiltelefonhersteller Nokia (Finnland ) und Ericsson(Schweden) aufwendige Forschungs - und Entwicklungsarbeit im Heimatland betreiben und Basiskomponenten preisgünstig (aufgrund des niedrigen Lohnniveaus) in den Baltischen Staaten herstellen lassen. Die Mittel- und Osteuropäischen Ostseeanrainer haben im Vergleich zu anderen Niedriglohnländem eine verhältnismäßig gut ausgebaute Infrastruktur und konnten sich in den vergangenen Jahren wirtschaftlich stabilisieren. Diese macht sie insbesondere auch für investive Tätigkeiten interessant. Insbesondere seit der Krise im ostasiatischen Raum haben viele Unternehmen grosses Interesse an Handelsbeziehungen zu diesen Ländern sowie Produktionsauslagerungen in diese. Aufgrund der fortschreitenden Integration Mittel- und osteuropäischen Ostseeanrainer in die EU werden Betätigung auf diesen Feldern eine große Zukunft vorausgesagt. Folgende Graphik (Graphik2) veranschaulicht die Außenhandelsverflechtungen im Ostseeraum. Bei der Graphik muß beachtet werden, daß sie nicht das nominale Handelsvolumen der Länder angibt sondern nur den prozentualen Anteil der Exporte jedes Landes. Sie kann deshalb besonders gut die wirtschaftlichen Abhängigkeiten der Ostseeländer untereinander darstellen. In Bezug auf S.H. muß beachtet werden, daß die Daten sich auf die BRD beziehen. Die Transportrouten können jedoch nachvollzogen werden.

-
[Graphik 2]

Die Graphik zeigt, wie der Außenhandel von Deutschland dominiert wird. Jedes Land im Ostseeraum benötigt Deutschland als Exportmarkt wobei Deutschland auf die Exportmärkte im Ostseeraum nicht angewiesen ist. Andererseits nimmt Deutschland auf den Märkten in der EBSR eine wichtige Stellung ein. 28% des Exports, der in die EBSR fließt wird von den westlichen Ostseeländern aufgebracht. Die beiden Blöcke im Ostseeraum zentriert um. Deutschland und um Russland wurden aufgebrochen. Es sind zahlreiche neue Handelsverflechtungen entstanden. Die stärkste Verbindung des westlichen mit dem östlichen Ostseeraum besteht zwischen Deutschland und Polen. Zwischen 1/3 bis zur Hälfte aller polnischen Exporte fließen nach Deutschland. Eine weitere wichtige und langjährige Verbindung besteht zwischen Finnland und Estland (115 aller estnischen Exporte fließen nach Finnland. Diese Ost-West Verbindungen bekommen eine immer größere Bedeutung. Die Handelsverbindungen der baltischen Staaten mit Rußland nehmen in den letzten Jahren ab. Trotzdem muß beachtet werden, daß noch immer 20-25% der Exporte der Baltischen Staaten nach Rußland fließen. Die Karte zeigt, daß zahlreiche bilaterale Handelsbeziehungen im Ostseeraum geschaffen werden konnten. Dennoch gibt es auch im Ostseeraum noch bisher vernachlässigte Handelsbeziehungen. Trotz Jahren intensiver nordischer Kooperation gibt es z.B. nur vergleichsweise wenig Handel zwischen Norwegen und Finnland oder Finnland und Norwegen. Die Gründe hierfür sind vor allem in der industriellen Struktur, der Spezialisierung , und der relativen Marktgröße zusehen. Es gibt aber auch Gründe die ein Zentrum-Peripherie Modell nahelegen, welches aus den traditionell gewachsenen Handelsbeziehungen entstanden ist. Zusammenfassend läßt sich sagen das Deutschland als Haupthandelspartner in der Ostseeregion zu sehen ist. Die hanseatischen Handelswege konnten wieder ausgebaut werden und neue Verflechtungen geknüpft werden, Die drei weiteren großen Ostseehandelsnationen sind Schweden, mit seinen traditionellen Verbindungen zu den nordischen Staaten und Deutschland, Finnland welches starke Verbindungen nach Rußland und Estland unterhält und Rußland aufgrund seiner Größe und den zahlreichen Bodenschätzen. Diese Staaten werden das Netzwerk im Ostseeraum weiter prägen.

1.6.2 Die Situation Schleswig-Holsteins

Aufgrund der bereits angesprochenen geographischen Lage Schleswig-Holsteins hat Schleswig-Holstein die Chance zur Transportdrehscheibe im Ostseeraum zu werden. Diese besteht insbesondere, weil die Hauptabsatzmärkte der Ostseeregion in Mittel- und Westeuropa liegen. S-H bildet auch den Zugang zum Weltmarkt für die Osteeanrainerstaaten. Unter diesem Aspekt muß besonders die Verknüpfung mit dem Hamburger Wirtschaftsraum gesehen werden. Der Hamburger Hafen ist ein Ausgangspunkt für den transkontinetalen Handel. Für den Ostseeraum wird eine rasante Zunahme des Personen- und Güterverkehr prognostiziert.



2. Estland

2.1 Allgemeines: Estland - Ein baltischer Staat stellt sich vor

Estland ist das nördlichste und kleinste Land auf dem Baltikum (45.100 Einwohner). Seit 1991 ist es eine unabhängige Republik. Die Verbindung zu Finnland sind kaum zu übersehen. Bereits die Namen vieler Inseln und Städte klingen ähnlich. Demnach ist es nicht verwunderlich, daß der größte Handelspartner ebenfalls Finnland heißt. Die Landeshauptstadt Talinn (500.000 Einwohner) ist auch nur 100 km Schiffslinie von Helsinki entfernt. Von den 1.6 Millionen Bürgern sind knapp zwei Drittel Esten. Die Russen, die zur Zeit der sowjetischen Herrschaft hierher kamen, stellen 30% der Bevölkerung. Mehr als drei Viertel der Bewohner sind evangelisch.

2.2 Wirtschaftsstruktur

Die wirtschaftliche Entwicklung des nördlichsten EU-Beitrittskandidaten fällt im bisherigen Verlauf positiv aus. Die Inflationsrate ist weiter gesunken und das Wirtschaftswachstum ist nicht schwerwiegend zurückgegangen(1 998: 6%). Die Währungsordnung und die Ankopplung an die DM stellen weiterhin einen vertrauenswürdigen Rahmen für die estnische Finanzpolitik dar. Um dieses zu erhalten ist es jedoch wichtig, daß ständig wachsende Außenhandelsdefizit zu senken (das Defizit zwischen Import und Export betrug 1998 1.5 Mrd. DM). Das Wirtschaftswachstum wird nach wie vor getragen von den Bereichen Handel und Dienstleistungen, den am frühesten privatisierten Wirtschaftszweigen. Die Privatisierung des verarbeitenden Gewerbes ist weitestgehend abgeschlossen. Nur wenige Betriebe befinden sich noch im Staatsbesitz. Aber auch die Industrie, die wie in allen Ländern des ehemaligen Ostblocks einen heftigen Einbruch erlitten hatte, zeigt sich spürbar erholt. Die dominierenden Industriebereiche sind die Nahrungsmittelindustrie, die Energieindustrie, der Maschinenbau, die Metallverarbeitung, die Leichtindustrie (Textilien, Kleidung, Schuhe), die chemische Industrie und die Forstwirtschaft. Als die größten Wachstumsbereiche stellen sich neben der Industrie, der Bausektor, der Transport und die Kommunikation dar. Der Grund für die zunehmende Bedeutung des Bereichs Transport und Kommunikation ist in der sich allmählich entwickelten Drehscheibenfunktion des Landes als Vermittler zwischen West und Ost zu sehen. Bei einer Aufschlüsselung des BIP nach Wirtschaftszweigen ergibt sich folgendes Bild:

Branche19921995199619971998 3mo.
Land- und Forstwirtschaft12,86,76,45,85,0
Fischerei0,70,45,40,50,5
Bergbau2,51,51,41,11,5
Verarbeitende Industrie22,715,714,815,115,3
Energiesektor4,43,53,63,24,9
Bausektor4,95,35,24,84,8
Handel14,514,815,315,714,8
Hotels und Gaststätten1,71,01,11,11,0
Transp. u. Komm.14,19,49,710,411,8
Immobilien2,48,58,68,99,5
Finanzsektor19,33,34,24,64,5

Tab. 2: Entwicklung einzelner WIrtschaftszweige in % vom BIP zu laufenden Marktpreisen Quellen: Estnisches Statistikamt No 7 (79) 1998, Estnisches Statistisches Jahrbuch 1998

2.3 Außenwirtschaftsbeziehung

Während sich der estnische Außenhandel zu Beginn der 90er Jahre fast ausschließlich auf die übrigen Republiken der damaligen Sowjetunion konzentrierte, wickelt Estland heute über die Hälfte seiner Außenhandelsgeschäfte mit der EU ab. Ein großes Gewicht haben hierbei die nordischen Länder, auch die baltischen Nachbarstaaten entwickeln sich zunehmend zu Außenhandelspartnern. Die Einbindung Estlands in die westliche Wirtschaftsstruktur schreitet weiter voran und stellt nach wie vor einen wichtigen Faktor für den stabilen dauerhaften Wachstumsprozeß der Wirtschaft dar. Trotzdem ist die Außenhandelsbilanz Estlands weiterhin deutlich defizitär. Die größten Defizite bestehen mit Finnland (4.4 Mrd. EEK) und Deutschland (2,5 Mrd. EEK). Eine positive Bilanz läßt sich unter anderem mit Lettland (1,4 Mrd. EEK), der Ukraine (0,9 Mrd. EEK), Schweden (0,8 Mrd. EEK) und Litauen (0,6 Mrd. EEK) feststellen. Die Importe bestehen zur Zeit zu 23% aus Investitionsgüterlieferungen. In der negativen Handelsbilanz spiegelt sich nach Meinung einiger Experten auch ein real überbewerteter Wechselkurs wider, der die estnischen Exporteure zunehmend unter Druck setzt. Insbesondere zu den nordischen Nachbarländern Finnland und Schweden haben sich in den letzten Jahren intensive Handelsbeziehungen. Finnland ist eindeutig wichtigster Handelspartner Estlands. Die historisch bedingte Verflechtung mit und die geographisch neue Lage zu Rußland weist auch diesem eine bedeutende Rolle als Außenhandelspartner zu. Im Hinblick auf die Rußland-Krise ergibt sich jedoch in diesem Fall ein Einschnitt. Die jüngsten Zahlen spiegeln ebenso den Bedeutungszuwachs der baltischen Nachbarstaaten als wichtige Handelspartner für estnische Unternehmen wieder. Zunehmend fällt diesen Nachbarregionen eine strategische Bedeutung für die weitere Expansion estnischer Unternehmen zu. Im wesentlichen verbesserte sich der Handel mit Finnland und Litauen seit Beginn der Rußland-Krise, so daß der Handel mit Rußland durch die Rubel-Krise in den Hintergrund gerät. Im Bezug auf Deutschland haben die Handelsaktivitäten zwischen Deutschland und Estland um ca. 50% zugenommen. An erster Stelle der Exporte nach Deutschland stehen Holz- und Möbel, die Textilindustrie und die Metallindustrie. Führend bei den Importen aus Deutschland sind die Transportmittel, der Maschinenbau, der Lebensmittelbereich und die Elektrotechnische Industrie. Generell ist zu erwähnen, daß Deutschlands Exporte nach Estland in erster Linie Endprodukte beinhalten, wogegen Estland vornehmlich Rohstoffe und Halbwaren nach Deutschland einführt. Nach einer Prognose des Instituts für Regionalforschung der Universität Kiel wird Deutschland etwa im Jahre 2010 in seiner Bedeutung als Handelspartner Estlands zu Finnlands Führungsposition aufgeschlossen haben. Die beiden nachfolgenden Tabellen zeigen die Import- und Exportentwicklung der letzten Jahre bezüglich auf Estlands wichtigste Handelspartner:

A. Außenhandelspartner Die beiden nachfolgende Tabellen zeigen die Export- und die Importentwicklung der letzten Jahre bezogen auf Estlands wichtigste Handelspartner:

	Export		1993	1994	1995	1996	1997	1.Halbj. 1998

	Finnland	20,7	1811	21,5	18,3	15,7	15,6
	Rußland		22,6	23,4	17,7	16,6	16.8	15,3
	Schweden	9,5	10,6	10,9	11,6	13,5	16.8
	Lettland	6,6	8,3	7,5	8,3	8,6	9,0
	Ukraine		-	3.7	5,0	5,0	5,7	-
	Deutschland	8,0	6.9	7.2	7.1	6,1	5,4
	Litauen		37	54	4,7 	5,7	5,6	4,8

Estlands wichtigste Handelspartner: Export in % Quelle., Estnisches Statistisches Jahrbuch 1898 und Estnisches Statistikamt No 7 (79) 1998

	Import		1993	1994	1996	1996	1997	1.
	Halbj,
								1998
	Finnland		27,9	30.1	32,8	29,2	23.4	21,9
	Rußland	'-T7-.2	--U6-.7	16,3	13,5	14,4	11,8
	Deutschland		10,7	9,9	9,5	10,0	10.1	10,7
	Schweden		8,9	9,0	8.5	8.2	9,1	8,9
	Großbritannien		3,6	3.Y-	8,5	3.3	3,1	2,8

Tab. 10: Estlands wichtigste Handelspartner: Import In % Quelle: Estnisches Statistikamt No 1 (73) 1998 und No 7 (79)1998


2.4 Ausländische Investitionen

Seit der Unabhängigkeit hat sich Estland ein regulatorisches Umfeld geschaffen, daß seit Beginn der 90er Jahre nach Ungarn und Tschechien die meisten ausländischen Direktinvestitionen angezogen hat. Insgesamt herrscht ein gutes Investitionsklima, hervorgerufen durch die günstigen Rahmenbedingungen, doch auch Schwierigkeiten sind zu erkennen. Diese Probleme zeigen sich vornehmlich im administrativen Bereich (Umgang mit den Behörden, Erteilung von Aufenthaltserlaubnissen für Geschäftsleute), der Rechtsanwendung sowie der nur langsam voranschreitenden Bodenreform. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, daß die estnische Seite gewillt ist, die sich zeigenden Mängel zu beheben. Nach Angaben des estnischen Unternehmensregisters gibt es im September 1998 1758 aktive Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung. Die größten ausländischen Investitionen wurden getätigt bei Eestitelephone (Telekommunikation: 1,88 Mrd. EEK aus Schweden und Finnland), EMT (Mobilkommunikation 705 Mio. EEK aus Schweden und Finnland), Toleram Group (Papier- und Textil: 566 Mio. EEK aus Singapur) und Eesti Merelaewanders AS (Schiffsgesellschaft: 520 Mio. EEK).

2.5 Finanzolitik

Eine der entscheiden Grundlagen für den wirtschaftlichen Erholungsprozeß war die konsequente Währungsreform. Die Einführung der Estnischen Krone am 20.06.1992, die fest an die Deutsche Mark (IDM=8EEK) gebunden ist, und eine Währungsordnung haben den drastischen Preisauftrieb der ersten Reformjahre deutlich eingedämmt. So hat sich die Inflationsrate in den letzten Jahren deutlich stabilisiert(1990: 9%). Die im Vergleich zu westlichen Volkswirtschaften immer noch hohe Inflation wird in erster Linie durch den enormen Zufluß ausländischen Kapitals und den großen Nachholbedarf an Gütern und Dienstleistungen verursacht. Vor allem in der Maße, wie die heimische Wertschöpfung am Boden gewinnt, dürfte auch der Druck auf die Preise weiter nachlassen. Die Estnische Zentralbank (Eesti Bank) ist vor dem Hintergrund des gewählten Währungssystems nicht die Hausbank des Staates, wie in den meisten europäischen Ländern. Die Estnische Regierung ist dadurch zu einer äußerst sparsamen Haushaltspolitik gezwungen. Weder die Zentralbank noch die Regierung haben ein Mandat, aktive Geldpolitik zu betreiben, und die Verfassung verbietet ein Defizit im Staatshaushalt. Dies führt in den letzten Jahren zu leichten Haushaltsüberschüssen und trug damit auch zur deutlichen Verringerung der Inflationsrate bei. Zwar haben besonders der hohe Devisenzufluß in Verbindung mit ausländischen Direktinvestitionen dazu geführt, daß bislang nur relativ wenige ausländische Kredite in Anspruch genommen worden sind, demnach hat sich die Auslandsverschuldung erhöht und beläuft sich nach vorläufigen Schätzungen auf brutto 335Mio US $, was 7% des BIP entspricht.

2.6 Arbeitsmarkt

Bisher sind statistische Angaben über Arbeitslosigkeit in Estland nicht sehr aussagekräftig, da Arbeitslosengeld und Sozialhilfe so niedrig sind (ca. 65,- DM), daß eine Arbeitslosigkeit häufig nicht gemeldet wird. Unter Berücksichtigung einer verdeckten landesweiten Arbeitslosigkeit kann realistischer Weise eine Quote von 8-10 % angenommen werden, was im osteuropäischen Vergleich jedoch moderat ausfällt. Estland wird kein Billiglohnland im klassischen Sinne bleiben. Selbst wenn die Reallöhne konstant bleiben werden die Nominallöhne im Ausmaß der Inflationsentwicklung weiter steigen. Wegen des festen Wechselkurses zwischen Krone und DM bedeutet dies, daß ausländische Unternehmen inflationsbedingte Kostensteigungen voll zu tragen haben. Seit dem 1. Januar 1998 liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 1100 EEK (13 8DM). Am höchsten ist der Monatslohn nach wie vor im Finanzsektor. Seit 1994 betrug er in diesen Bereich regelmäßig über das doppelte des statistischen Durchschnittslohnes. Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über die Bruttolöhne 1998 nach Branchen:

BrancheEEK 1 Monat (DM)EEK 1 Stunde (DM)
verarbeitende Industrie(469,13)2,87
Transport, Kommunikation usw.(565,50)3,29
Bergbau usw.(607,38)3,88
Elektrizität, Gas(689,38)3,57
Finanzsektor(1021,25)5,90
Durchschnittslohn3.743 (467,88)2,79

Tab. 4: Bruttolöhne und. -gehälter Im 1. Quartal 1998 nach Branchen im Durchschnitt
Quelle: Estnisches Statistikamt No 7 (79) 1998

2.7 Bewertung des Wirtschaftsstandorts Estland

Die Vorteile des Landes sind zum einen die stabile Währung mit einen festen Wechselkurs (IDM=SEEK) sowie das gefestigte Bankensystem. Hinzu kommt die an Deutschland angelehnte Wirtschaftsgesetzgebung und die relativ zügige und nahezu abgeschlossene Privatisierung nach Treuhandmodell. Dies sind günstige Rahmenbedingungen für den Aufbau einer erfolgreichen Wirtschaft. Niedrige Unternehmensbesteuerung (26%), Abschreibungssätze von maximal 40%, Lohnkostenvorteile (Lohnnebenkosten: 33%) und einen Verlustvortrag für maximal 5 Jahre sind weitere wichtige Merkmale für den Standort. Außerdem gibt es nahezu keine Zölle und die Transferierbarkeit von in Estland erwirtschafteten Gewinnen ist frei. Der Erwerb von Grund und Boden ist auch für Ausländer möglich und es gibt einen gesetzlichen Investitionsschutz für ausländische Investoren. Das sind wichtige Vorteile für investitionsbereite Unternehmen. Dazu gehören auch die Freihandelsabkommen unter anderem mit der EU, den baltischen Staaten, der Ukraine der EFTA, der Tschechei und Slowakei. Ebenso steht man als Beitrittskandidat zur EU bereit. Weitere Faktoren für den Wirtschaftsstandort Estland sind die optimale Land-, See- und Luftanbindung, die gute Telekommunikationsinfrastruktur, ein relativ hohes Arbeiterpotential mit hoher Lernbereitschaft und mit hohen Qualifikationsniveau und eine Jungunternehmerschaft, die nach Erfolgen strebt. Diesen Vorteilen stehen jedoch auch Nachteile gegenüber. Dazu gehören zum einen die relativ hohen Preis- und Kostensteigerungen, die schleppende Bodenreform und das vergleichsweise hohe Zinsniveau der Geschäftsbanken. Zum anderen ist nur ein kleiner Binnenmarkt (ca. 1,5 Mio. Bürger) vorhanden und es gibt kein Freihandelsabkommen mit Rußland, d.h. Schutzzölle bis zu 200% müssen bezahlt werden. Außerdem müssen administrative Hürden (schwieriger Umgang mit den Behörden), Transitprobleme überwunden werden, die Rechtsanwendung ist gelegentlich problematisch und es gibt keine stabilen Regierungsverhältnisse und die Parteienlandschaft ist noch nicht gefestigt. Dies wären die wesentlichen negativen Faktoren, die man bei dem Wirtschaftsstandort zu beachten hätte.

2.8 Fazit

Nach Darstellung der Weltbank wird die estnische Wirtschaft trotz bedrohlicher Effekte von außen weiter wachsen. Die Aussichten auf Wirtschaftswachstum seien gut, wenn Ausgaben unter Kontrolle gehalten und produktivitätsfördernde Investitionen getätigt würden. Solange das Wirtschaftswachstum in den westlichen Ländern, den Hauptexportmärkten Estlands, anhält, wird auch die estnische Wirtschaft gesund bleiben. Auch der internationale Währungsfond sieht die Aussichten für die estnische Wirtschaft positiv. Somit muß abgewartet werden, ob die vielen Prognosen sich in der Zukunft erfüllen und ob Estland seine Wirtschaft weiter "nach oben bringt".



3. Die Bedeutung des Ostseeraumes für Skandinavien am Beispiel Dänemarks und Schwedens mit besonderer Berücksichtigung der Öresund-Region

3.1 Dänemark

3. 1. 1 Dänemark: Allgemein

Im Königreich Dänemark leben 5 146 469 Menschen auf einer Fläche von 43 094 km2die sich auf das Festland und etliche Inseln erstreckt. In Dänemark gibt es seit 1953 eine parlamentarische Monarchie, das Staatsoberhaupt ist Königin Margarethe II., derzeitiger Regierungschef ist der Sozialdemokrat Poul Nyrup Rasmussen, die dänische Hauptstadt ist Kopenhagen, die Währung ist die dänische Krone (1 US-$ = 6, 8496 dkr,- 1 DM = 3, 8170 dkr). Seit 1973 ist Dänemark Mitglied in der Europäischen Union. Als Vorsitzland des Ostseerates hat sich Dänemark neben Schweden und Finnland in den vergangenen Monaten besonders um die Stärkung der Ostseekooperation bemüht und eine Reihe von Initiativen ergriffen.

3.1.2 Dänemark: Wirtschaft

Die dänische Wirtschaft teilt sieh wie folgt auf 4% des BIPs ( gesamt: 174 247 Millionen US-S ) entfallen auf die Landwirtschaft, 27?,/e auf die Industrie und 69?/e, auf den Dienstleistungssektor, der Anteil der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft beträgt 5%, in der Industrie 26% und im Dienstleistungssektor 69%. Da die Industrie am dänischen Außenhandel mit nahezu 75% vertreten ist, werde ich mich auf deren Beschreibung konzentrieren. Da Dänemark kaum über Rohstoffe wie z.B. Kohle oder Eisen verfügt, hat sich eine umfangreiche Produktvielfalt entwickelt. Die Mehrheit der dänischen Unternehmen ist eher klein und sehr spezialisiert. Daraus resultieren sowohl Vor- als auch Nachteile. Der Hauptvorteil ist die größere Flexibilität in kleineren Unternehmen, sie können schneller auf die Veränderungen auf dem Markt reagieren. Ein wesentlicher Nachteil dagegen ist, daß durch die geringe Größe der Unternehmen Forschungs- und Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt werden. Da Dänemark nur über einen geringen inländischen Absatzmarkt verfügt, sind die, vor allem industriellen Exporte für die dänische Wirtschaft immens wichtig.
Und hier kommt der Ostseeraum ins Spiel: Fast die Hälfte des dänischen Außenhandels, sowohl Ex- als auch Import, wird mit den Ländern im Ostseeraum getätigt, wobei die größten Handelspartner Dänemarks die Bundesrepublik Deutschland und Schweden sind. Die Märkte im östlichen Teil des. Ostseeraums aber wachsen mit großer Geschwindigkeit, wobei Dänemark besonders mit Litauen immer intimere Verbindungen pflegt (siehe Tab. 1).

Tabelle l:

Der Außenhandel Dänemarks mit den anderen Osteee-Anrainerländern

	Handelspartner				1991	1992	1993	1994	1995	1996

	Bundesrepublik Deutschland		8067	9346	8541	9018	11037	11490
	Finnland				819	787	688	957	1220	1368
	Norwegen				1995	2274	2488	2576	2903	3301
	Polen					712	503	479	574	675	867
	Schweden				4133	4166	3608	4156	4739	5666
	ehem. Sowjetunion			241	303	358	530	840	931
	Baltische Staaten			-	84	93	159	257	355

Anteile am Gesamtexport in v.H.

	Aufgeführte OECD-Länder			41,7	41,9	41,2	40,1	41,9	43,1
	Aufgeführte Länder im Reformprozeß	2,9	2,2	2,5	3,0	3,7	4,2

Import in Mill US-Dollar

	Bundesrepublik Deutschland		7139	7770	6689	7453	9629	10319
	Finnland				885	903	844	1051	1245	1242
	Norwegen				1830	1811	1528	1723	2128	2238
	Polen					401	449	457	605	725	708
	Schweden				3514	3633	3213	3937	5167	5620
	frühere Sowjetunion			313	326	410	427	515	437
	Baltische Staaten			-	101	161	157	212	258

Anteile am Gesamtimport in vH

	Aufgeführte OECD-Länder			41,3	42,0	40,2	39,8	43,0	42,8
	Aufgeführte Länder im Reformprozeß	2,2	2,6	3,4	3,3	3,4	3,1


Basis: Export in Mill.in US-Dollar
I' Worte für GUS-Republiken (ohne Baltische Staaten), 1991 frübere Sowjetunion.

Quelle OECD: Satatstics of Foreign Tragde, Series A

Die Kluft, die noch immer zwischen dem westlichen und dem östlichen Teil des Ostseeraumes besteht, wird auch an Dänemarks Export deutlich: Die wichtigsten Exportgüter in die östlichen Regionen sind Lebensmittel und lebende Tiere., während es in den westlichen Teil Maschinen und Transportmittel sind (siehe Tab. 2).
Die dänische Wirtschaft ist verhältnismäßig ausgewogen, was vor allem durch die zwischen 1982 und 1992 auf eine stabile volkswirtschaftliche Umwelt abzielende Politik der dänischen Regierung erreicht wurde. Außer dem Schiffsbau und den EU - Unterstützungen für Landwirtschaft und Fischerei gibt es heute kaum noch direkte Hilfen für die einzelnen Branchen. Auf der anderen Seite jedoch zahlt der Staat für fast jede Aus- und Weiterbildung, was Dänemark den hohen Bildungsstandard als gewichtigen Konkurrenzvorteil verschafft. Ferner zahlt der Staat für die Arbeitslosenversicherung, was Firmen und Arbeit stark mit Steuern belastet. Durch diese hohe Besteuerung ist die Arbeit in Dänemark im Vergleich zu den anderen Staaten im Ostseeraum relativ teuer.

Tabelle 3: Der Außenhandel Schwedens mit den anderen Ostsee-Anrainerländern

Tabelle

	Handelspartner				1991	1992	1993	1994	1995	1996
	Export in Mill. US-Dollar

	Bundesrepublik Deutschland		8378	8394	7177	8159	10233	9913
	Dänemark				3894	4014	3310	4242	5078	5275
	Finnland				3147	2900	2283	2934	3974	4326
	Norwegen				4657	4736	4063	4989	6117	7147
	Polen					378	374	422	601	929	1069
	frühere Sowjetunion			408	354	380	519	754	858
	Baltische Staaten			-	164	212	381	540	616

Anteile am Gesamtexport in vH

	Aufgeführte OECD-Länder			36,4	35,7	33,8	33.2	32,8	32,1
	Aufgeführte Länder im Reformprozeß	1,4	1,6	2,0	2,4	2,9	3,1

Import in Mill. US-Dollar

Bundesrepublik Deutschland			9388	9288	7651	9550	12713	12533
	Dänemark				3889	3899	3141	3507	4599	5002
	Finnland				3506	3099	2656	3259	3824	3763
	Norwegen				3827	3434	2767	3158	4620	5193
	Polen					376	417	320	464	591	594
	frühere Sowjetunion			573	565	446	756	492	463
	Baltische Staaten			-	244	251	481	774	878

Anteile am Gesamtimport in vH

	Aufgeführte OECD-Länder			41,2	39,4	37.9	37.6	41,8	41,3
	Aufgeführte Länder im Reformprozeß	1,9	2,5	2,4	3,3	3,0	3,0

Werte für GUS-Republiken (ohne Baltische Staaten)-, 1991 frühere Sowjetunion. Quelle: OECD: Statistics of Foreign Trade, Sehes A.
In den vergangenen Jahren hat sich das Wirtschaftsklima auf vielen Gebieten bemerkenswert entwickelt. Es wurden Strukturreformen beschlossen und durchgeführt, um das Wachstumspotential der Wirtschaft auszubauen. Die wahrscheinlich wichtigste ist die EU Mitgliedschaft, die gleichartige Beschränkungen, Zugang zu Märkten und Einfluß auf Schwedens wichtigste Absatzmärkte garantiert.

3.2 Schweden

3.2.1 Schweden: Allgemein

Im Königreich Schweden verteilen sich 8 843 000 Einwohner auf eine Fläche von 449 964 kM2, was einer Einwohnerdichte von 19, 7 Einwohner pro kin2entspricht. Seit 1809 gibt es in Schweden eine parlamentarische Monarchie, Staatsoberhaupt ist König Carl XVI. Gustav Regierungschef ist der Sozialdemokrat Göran Persson, die schwedische Hauptstadt ist Stockholm, die Währung ist die schwedische Krone (1 US-$ = 7, 7506 skr, 1 DM = 4, 3355 skr). Schweden trat 1995 der Europäischen Union bei. Nicht nur Dänemark, auch Schweden hat sich genauso wie Finnland in den vergangenen Monaten besonders um die Stärkung der Ostseekooperation bemüht. Die schwedische Regierung hat ein mit 1 Mrd skr ausgestattetes eigenes Ostseeprogramm aufgelegt, aus dem v.a. schwedische Projekte der Aufbauhilfe in den östlichen Ostseeanrainern finanziert werden. Für Schweden ist der wirtschaftliche Aufschwung in den östlichen Regionen des Ostseeraumes von besonderer Bedeutung, da diese Schweden, das aufgrund seiner geographischen Lage teilweise doch recht gravierende Nachteile auf dem europäischen Binnenmarkt hinnehmen muß, die Möglichkeit bieten, einen neuen Absatzmarkt zu erschließen.

3.2.2 Schweden: Wirtschaft

Die schwedischen Wirtschaftssektoren teilen sich wie folgt auf- 2% des BIP's (gesamt: 250 240 Millionen US-$) entfallen auf die Landwirtschaft, 32% auf die Industrie und 64% auf den Dienstleistungssektor, 3% der Erwerbstätigen arbeiten in der Landwirtschaft, 26% in der Industrie und 7 1 % in Dienstleistungen. Da nahezu 83% des schwedischen Exports industrielle Güter sind, werde ich mich auch bei der schwedischen Wirtschaft auf die Industrie konzentrieren. Ende der 80'er Jahre bis etwa 1993 steckte die schwedische Wirtschaft in einer schweren Krise. Die Inflation und die Arbeitskosten stiegen schneller als in den Konkurrenzstaaten, obwohl der Produktivitätsanstieg geringer war. Diese Krise löste einen strukturellen Umbruch aus, weg von den traditionellen Industrien, die während der Krise 15% und mehr ihrer Produktionskapazitäten verloren, hin zu fähigkeitsintensiven Industrien wie die Pharmazie­ und die Telekommunikationsindustrie, deren Kapazitäten während der Krise um über 40% gewachsen sind.
Über 60% des schwedischen Exports geht heute in die EIJ und besonders der Ostseeraum ist neben dem Rest der EU und Süd - Ost Asien für den schwedischen Außenhandel von großer Bedeutung. Der größte Handelspartner Schwedens ist, und das nicht nur im Ostseeraum, die Bundesrepublik Deutschland. Ferner hat Schweden ebenso wie Dänemark und Finnland die wirtschaftlichen Perspektiven in den östlichen, vor allem in den baltischen Staaten erkannt und pflegt wirtschaftliche Beziehungen genauso wie Finnland zu Lettland und Estland (siehe Tab. 3).

3.3 Die Öresund-Region

3.3.1 Die Öresund-Region: Allgemein

Die globale Konkurrenz wird - auch im Ostseeraum - immer stärker als Wettbewerb der Subregionen ausgetragen. Es bilden sich inzwischen immer mehr grenzüberschreitende Kooperationen von Subregionen mit bemerkenswerter ökonomischer Dynamik. Das am häufigsten in diesem Zusammenhang genannte Beispiel ist die Öresund - Region. Von besonderer Bedeutung für diese Region waren und sind die Förderungsprogramme der EU, namentlich Interreg 11 A, eine EU - Gemeinschaftsinitiative zur Förderung von Projekten grenzüberschreitender Zusammenarbeit, und Interreg H C, eine EU – Gemeinschaftsinitiative zur Förderung transnationaler Zusammenarbeit im Bereich der Raumplanung. Auch die schleswig - holsteinische Landesregierung hat die zukünftige Bedeutung der Öresund - Region erkannt und das Entwicklungskonzept: "Südliche Ostsee" zum ersten ihrer 14 Leitprojekte für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Landes SchIeswig – Holstein gemacht. Die Öresund - Region ist eine Verschmelzung des Großraumes Kopenhagen im Osten Dänemarks mit Skane in Südschweden, die auch das "Tor zur Ostsee- genannt wird, und die mit der voraussichtlichen Fertigstellung der Brücke über den Öresund im Jahre 2000 ihre Bedeutung sicherlich noch erhöhen wird. Die gesamte Region hat ca. 3, 2 Millionen Einwohner, allein 1, 8 Millionen im Großraum Kopenhagen und nimmt schon heute einen der führenden Plätze in der Welt im Pro - Kopf - Einkommen (50 000 DM) ein. Um äußere Einflüsse möglichst gering zu halten, gibt es verschiedene dänische und schwedische bzw. dänisch – schwedische Organisationen, u.a. das Öresundkomitee (seit 1993, Mitglieder- Großraum Kopenhagen und Regionförbundet Skane) und das Styrkommiteen (ein Lenkungsausschuß bestehend aus den Bürgermeistern der fünf Bezirke des Großraumes Kopenhagen).

 
[ Graphik 1 ]

3.3.2 Die Öresund-Region: Wirtschaft

Einer der wichtigsten Standortfaktoren der Öresund-Region, die so gut wie keine Rohstoffe aufzuweisen hat, ist der hohe Bildungsstandard, der durch die Zusammenarbeit der dänischen und schwedischen Universitäten, namentlich die Universität Kopenhagen und die Universität Lund, noch erhöht werden soll. Weitere allgemeine Standortfaktoren die erwähnt werden sollten, sind z.B. die gut ausgebaute Infrastruktur, die Effizienz und reibungslose Verwaltung des Distributionssystems und die hohe Lebensqualität. In der Forschung und insbesondere in der Bio-Medizin ist die Region eine der erfolgreichsten in Europa. Ein Beispiel dafür ist "Medicon Valley", ein Gemeinschaftsprojekt von Biotech - Untemehmern der Medizinindustrie, öffentlichen Forschungseinrichtungen und Krankenhäusern. "Medicon Valley" ist zur Zeit eines der erfolgreichsten Wachstumszentren Europas, wo so bekannte Unternehmen wie "Phamacia & Upjohn" oder "Novo Nordisk" ihren Sitz haben. Dänemark und Schweden sind, was Umweltvorschriften für die Wirtschaft betrifft, anderen Ländern weit voraus. Heute hat sich Umwelttechnik zu einem lukrativen Exportartikel entwickelt. Besonders die osteuropäischen Staaten sind Großabnehmer für modernste Technik, Know - How und Beratung, was nicht zuletzt daran liegt, daß sie, um die Aufnahmekriterien der EU zu erfüllen, auch die EU - Umweltvorschriften einhalten müssen. Dänemark ist nach einer Studie der OECD Europas wichtigste Finanzierungsquelle für Umweltprogramme in Osteuropa, Schweden belegt Rang 4. Südschweden ist bekannt für seine hohe Produktionskapazität und den höchsten tiermedizinischen Standard Europas in der Lebensmittelindustrie, der Anteil der dänischen ist mit 30% am gesamten Industrieumsatz der höchste in der westlichen Welt. Die Region hat einen der modernsten Landwirtschaftssektoren der Welt, darüber hinaus gibt es sowohl öffentliche Forschungsprogramme, vor allem an den Universitäten, als auch private.

Die Öresund - Region hat eine der weltweit höchsten IT - Konzentrationen pro Einwohner, jede zweite Familie besitzt einen PC. Auch Mobiltelefone sind überdurchschnittlich verbreitet. Die Region besitzt eine besonders gut ausgebaute Telekommunikationsinfrastruktur: Die Deckung mit Glasfaserkabeln ist einmalig, das Telefonsystem in der gesamten Region ist digital. Aufgrund dieses hohen technischen Niveaus haben u.a. Nokia, Ericsson und Motorola hier wichtige Entwicklungszentren angesiedelt. Ferner bietet die- IT - Entwicklung der graphischen Industrie ganz neue Möglichkeiten. Auch IT - und Telekommunikationsmärkte in den osteuropäischen Staaten wachsen rapide und Skandinavien ist auch hier auf dem Vormarsch, beispielsweise investiert Schwedens Ericsson in Rußland und baut dort Tochterunternehinen auf. Die rapide steigende Wirtschaftskraft, besonders im technologischen Bereich, und auch die anderen zu Beginn dieses Abschnittes erwähnten Standortfaktoren, vor allem der hohe Bildungsstandard, machen die Öresund-Region zu einer der wirtschaftlich interessantesten und wachstumsversprechendsten Regionen in Europa.


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(c) in 1999 by Projektkurs "Ostseekooperation" Max-Planck-Schule Kiel / Stephan Ramdohr
Last Update: 24 April 1999